Die Strategie

Im Gegensatz zu Muster zuordnen gibt es bei Fakten lernen zwar auch eine recht dominante Strategie, sie besteht aber aus mehreren Techniken, die sich gegenseitig ergänzen. Die Methode gibt dir vor allem einen Rahmen, den du selbst ausfüllen musst.

Genau deshalb ist Übung hier so wichtig. Die Technik muss so sicher sitzen, dass dich der Stress im TMS nicht rausbringt. Konzentration und Merkfähigkeit sind nämlich das Erste, was unter Druck leidet.

Ich beschreibe hier, wie ich es gemacht habe, weil es für mich gut funktioniert hat. Du kannst den Aufbau übernehmen und dann an deine eigenen Bilder, Orte und Merkhilfen anpassen.

1. Die Loci-Methode als Grundgerüst

Loci leitet sich von locus, also Ort, ab. Du platzierst die einzelnen Personen mental an einem Ort, manche nennen das Gedächtnispalast. Das klingt aufregender, als es ist: Du brauchst einfach einen Ort, den du sehr gut vor Augen hast.

Für mich war es meine Wohnung. Für dich kann es genauso gut die Schule, der Weg zum Sportverein oder ein ausgedachter Ort sein. Wichtig ist nur, dass du keinen mentalen Extraaufwand betreiben musst, um dir diesen Ort vorzustellen. Mit den Fakten bist du schon beschäftigt genug.

Konkret sah das bei mir so aus: Die erste Person saß auf der Treppe, die zweite auf dem Geländer und die dritte wartete auf der Türschwelle. Die Idee dahinter ist simpel: Wir merken uns Informationen besser, wenn wir sie an etwas koppeln, das wir schon kennen.

Treppenhaus als Loci-Ort für drei Personen im Untertest Fakten lernen
Der Ort ist nur das Gerüst. Die eigentliche Merkleistung entsteht durch die Bilder, die du dort platzierst.

Jetzt ist es aber noch nicht leicht, sich drei skandinavische Namen oder medizinische Diagnosen zu merken, die man zuvor noch nie gehört hat. Deshalb reicht die Loci-Methode allein nicht aus.

2. Bildliche Vorstellung, je absurder, desto besser

Die zweite und mindestens genauso wichtige Technik ist ein Skill: abstrakte Informationen möglichst bildlich vorstellen. Je absurder und emotionaler, desto besser. Das kann wirklich alles sein: Humor, Schmerz, Ekel oder Trauer.

Statt dir einen 72-jährigen Herrn Björnsson als Bibliothekar vorzustellen, der besorgt auf sein Erysipel schaut, ist es viel eindrucksvoller, wenn dich ein älterer Herr Björnsson heulend vom Geländer aus mit Büchern abwirft, während sein Kopf knallrot ist und es wehtut.

Solche Bilder entwickeln sich fast automatisch zu Geschichten, und genau das ist der Punkt. Geschichten bleiben besser hängen, weil A aus B folgt und nicht alles zusammenhangslos nebeneinander liegt.

Absurde Merkszene in einem Treppenhaus mit rotem Kopf und fliegenden Büchern
Je mehr Bewegung, Emotion und Übertreibung im Bild steckt, desto besser bleibt es hängen.

3. Phonetische Ableitung, der Schlüssel für Namen und Diagnosen

Ohne phonetische Ableitung wäre man trotz der ersten beiden Techniken schnell aufgeschmissen. Wer kann sich schon mehrere Namen oder medizinische Diagnosen, die er zum ersten Mal hört und die ähnlich klingen, nach 60 Minuten noch sicher abrufen?

Deshalb koppeln wir das, was wir uns merken wollen, wieder an etwas, das wir schon kennen. Aus Björnsson wird vielleicht ein Bär, aus dem Erysipel eine Zipfelmütze. Dann ist es nicht mehr "Björnsson mit Erysipel", sondern ein weinender älterer Bär mit Zipfelmütze, der auf dem Geländer steht und Bücher wirft.

Das Gleiche gilt für Eigenschaften, die sich ähneln. Müde kann schlafend werden, gelangweilt vielleicht ein sehr langer Mensch und unkreativ jemand, der nur einfarbige Bilder malt. Je andersartiger, desto besser. Es muss nicht einmal etwas mit der eigentlichen Bedeutung des Wortes zu tun haben.

Fakten-Merkbild mit Bär, Zipfelmütze, Büchern und weiteren Eigenschaften
Phonetische Ableitungen verwandeln trockene Namen und Diagnosen in abrufbare Bilder.

Abstrakte Geschichten aus trockenen Fakten abzuleiten ist die eigentliche Technik hinter Fakten lernen. Sie ist genauso trainierbar wie jede andere TMS-Technik. Es braucht nur etwas Zeit und die Bereitschaft, sich auf absurde Bilder einzulassen.

Tipps, die das Leben leichter machen

Die Grundstrategie steht. Hier sind ein paar Ideen, die sie nicht verändern, aber den Alltag leichter machen:

1. Leg dich auf einen Ort fest. Sobald du ein wenig mit möglichen Orten herumgespielt hast, bleib bei einem. Der Ort selbst ist weniger wichtig als die Routine, Personen an einem vertrauten Ort zu platzieren.

2. Lauf immer die gleiche Route. Die Jüngsten kommen immer in den ersten Raum, die Ältesten in den letzten. So sparst du dir, das Alter separat zu merken, und hast mehr Kapazität für die anderen Informationen.

3. Männer links, Frauen rechts. Oder umgekehrt. Hauptsache, du hältst es konsequent durch. Dann sparst du dir die Eselsbrücke für das Geschlecht.

4. Wiederhole in der Zertrümmerungsphase. Die kurze Wiederholung kostet dich vielleicht einen Punkt im langen Untertest, holt dir aber mehrere bei Fakten. Übe das bewusst, ohne im langen Untertest die Zeit dafür anzuhalten.

Vorsicht bei Dopplungen

Der TMS hat sich in den letzten Jahren klar zu Dopplungen entwickelt. Zwei bis fünf pro Set sind inzwischen normal. An sich ist das kein Problem, wenn du dir alle Informationen sauber einprägst. Die beste Grundhaltung ist also, weiter an deiner Technik zu arbeiten und alles so gut wie möglich zu verankern.

Trotzdem lohnt es sich, am Ende der Einprägephase noch einmal kurz zu überfliegen, welche Personen Eigenschaften oder Diagnosen teilen. Achte gezielt darauf, was sie unterscheidet. In der Reproduktion wird häufig nach Alter oder Geschlecht gefiltert, und wenn du dir dort unsicher bist, ist das der Moment, es noch einmal zu prüfen.

Die Reproduktion

Viele Fragen wirst du nach etwas Übung ohne Probleme beantworten. Wenn du merkst, dass die Antwort nicht sofort kommt, geh erst einmal zur nächsten Frage. Du wirst am Ende vermutlich noch etwas Zeit haben.

Geh dann zu den offenen Fragen zurück und arbeite mit den Antwortmöglichkeiten. Wenn die Frage lautet "Die ungestüme Person hieß ..." und du von den anderen Personen die Eigenschaften noch kennst, kannst du diese praktisch rückwärts ausschließen. Taktisches Ausschließen sichert hier oft den einen oder anderen Punkt.

Wenn du immer noch zwischen zwei Personen schwankst, geh mental so nah wie möglich zu dem Ort, an dem die Information liegt. Das kann der Raum sein oder sogar die Person selbst, wenn dir nur eine bestimmte Eigenschaft fehlt.

Wie du üben solltest

Da du Fakten nur sinnvoll mit der Zertrümmerungsphase üben kannst, ergibt es Sinn, Fakten und Figuren gemeinsam zu trainieren. Auch wenn das wegen des Zeitdrucks anstrengend ist, hältst du so die Bedingungen TMS-nah und sparst dir Zeit.

Am Anfang kann es helfen, dir etwas mehr Zeit zu geben als im TMS, zum Beispiel zehn statt sechs Minuten. Aber nur, solange du aktiv an deiner Technik arbeitest. Diese Phase sollte nicht länger als etwa eine Woche dauern, damit du schnell auf die echten sechs Minuten kommst.

Fakten lernen ist extrem trainierbar und braucht pro Einheit nicht viel Zeit. Zusammen mit Figuren ist es der Untertest, den du so häufig wie möglich üben solltest. Jeder gewonnene Punkt zählt hier genauso viel wie bei Quanti oder Diagramme und Tabellen.

Was mache ich, wenn es nicht funktioniert?

Dass die Grundidee nicht funktioniert, ist sehr unwahrscheinlich. Wir arbeiten mental fast alle mit Bildern. Was passieren kann: Du hast mit bestimmten Aspekten Schwierigkeiten, zum Beispiel mit der phonetischen Ableitung.

Dafür ist die Nachbereitung entscheidend. Wenn du während einer Übung zu etwas keine Eselsbrücke bilden konntest, mach erst einmal weiter und überlege dir bei der Auswertung in Ruhe eine Vorstellung, die besser getaugt hätte. Es ist unwahrscheinlich, dass am Anfang alles perfekt läuft. Die häufigste Ursache für Probleme ist fehlende Übung.