Der Algorithmus

Schlauchfiguren ist der Untertest, in dem der Durchschnitt am höchsten ist. Die meisten Teilnehmenden holen hier ungefähr 14 bis 15 Punkte. Das klingt gut, bedeutet aber auch: Mit 14 Punkten hast du keinen echten Vorteil. Wenn du dich absetzen willst, sollte dein Ziel bei 18 oder mehr Punkten liegen.

Viele verlassen sich auf ihr Bauchgefühl. Man schaut auf die Bilder, hat sofort einen Erstgedanken, und der stimmt in vielen Fällen. Für sehr hohe Werte reicht das aber nicht. Du brauchst ein System, das auch bei kniffligen Aufgaben funktioniert.

Der Algorithmus macht sich zunutze, dass sich bei der Ansicht von oben und unten, also bei einer Kippung, oben und unten verändert. Bei einer Drehung von der Seite bleibt oben oben und unten unten.

1. Anker suchen

Suche dir in beiden Bildern eine Struktur, die du wiedererkennst. Häufig sind Schlauchenden ein guter erster Ansatz. In den letzten Jahren werden Enden aber zunehmend versteckt, deshalb solltest du auch auf Kreuzungen, Wandberührungen und markante Bögen oder Schlaufen achten.

Nimm dir zur Sicherheit lieber zwei Anker. Es gibt Aufgaben, bei denen ein einzelner Anker nicht reicht.

Schlauchfiguren-Beispiel mit markierten Ankern
Markiere lieber zwei sichere Anker als nur ein auffälliges Ende.

2. Sind die Anker auf gleicher Höhe?

Wenn ja, handelt es sich um eine Drehung. Die Möglichkeiten reduzieren sich auf rechts, links oder hinten. Wenn nein, ist es eine Kippung, dann bleiben nur oben oder unten.

Bleiben die Anker auf gleicher Höhe, fragst du als Nächstes: Sieht es spiegelverkehrt aus? Wenn ja, ist die Antwort hinten. Wenn nein, bleiben nur rechts oder links.

Die Rechts/Links-Falle

Dieser Schritt wirkt leicht, wird aber unter Stress am häufigsten falsch gemacht. Viele fragen sich: Wie wurde der Würfel gedreht? Das Problem dabei: Wenn du den Würfel nach links drehst, hast du die rechte Ansicht vor dir.

Frag dich stattdessen: Ich selbst gehe um den Würfel herum. Wenn du nach links gehst, was siehst du? Dasselbe gilt für oben und unten: Stell dir vor, du hältst deinen Kopf über den Würfel und schaust nach unten.

Wenn die Anker in der Höhe verschoben sind

Sind die Anker nicht auf gleicher Höhe, entsteht eine Kippung. Dann bleiben nur oben oder unten. Genau hier ist ein zweiter Anker hilfreich, weil einzelne Enden manchmal irreführend wirken.

Unmarkiertes Schlauchfiguren-Beispiel für eine Kippung
Auch bei übersichtlichen Aufgaben lohnt sich ein kurzer Höhenvergleich.

In solchen Fällen stellst du dir vor, was du sehen würdest, wenn du deinen Kopf über den Würfel hältst und nach unten schaust. Passt das Bild, ist oben die Antwort, sonst unten.

3. Die Probe

Stell dir vor, dass du deinen Kopf so um den Würfel bewegst, wie es deine Lösung sagt. Siehst du das, was du erwartest? Oder gibt es Anker oder markante Strukturen, die eigentlich woanders sein müssten?

Viele lassen die Probe unter Zeitdruck weg. In den Übungen solltest du sie fast immer machen, weil sie Schusselfehler verhindert und dir zeigt, wie sicher du wirklich bist.

Entscheidungsbaum für Schlauchfiguren
Der Entscheidungsbaum: Anker suchen, Höhe prüfen, Drehung oder Kippung entscheiden, Probe machen.

Schwierigeres Beispiel

Bei unübersichtlichen Würfeln hilft es, sich auf einen einzelnen Schlauch zu konzentrieren. Identifiziere ihn im linken Bild, finde ihn im rechten wieder und wende den Algorithmus nur auf diesen einen Schlauch an.

Unübersichtliches Schlauchfiguren-Beispiel ohne Markierungen
Schwierigeres Beispiel: erst selbst entscheiden, bevor du die Markierungen ansiehst.

Frage dich bei jeder Entscheidung, wie deine Antwort gewesen wäre, bevor du weiterliest.

Unübersichtliches Schlauchfiguren-Beispiel mit markierten Ankern
Konzentriere dich auf wenige wiedererkennbare Strukturen.

Wenn die Anker auf gleicher Höhe sind, bleiben links, rechts und hinten. Anschließend prüfst du, ob das Bild gespiegelt wirkt.

Unübersichtliches Schlauchfiguren-Beispiel mit markierter Spiegelbild-Prüfung
Die Probe hilft, auch bei chaotischen Würfeln nicht im Gesamtbild zu verschwimmen.

Wenn du unsicher bist, mach die Probe: Stell dir vor, du gehst um den Würfel herum und schaust ihn von hinten an. Stimmen die markierten Strukturen dann überein, hast du deine Lösung.

Wie du üben solltest

Schlauchfiguren kann man fast immer üben. Wenn du eine kurze Pause hast, mach zehn Aufgaben. Vor dem Essen noch Zeit? Übe deinen Algorithmus. So bekommst du die Routine und Geschwindigkeit, die du brauchst.

Eine Sache unterschätzen viele: Unter Stress braucht man ungefähr 50 Prozent mehr Zeit als in den Übungen zu Hause. Deshalb sind Geschwindigkeit und Routine das Beste, was du trainieren kannst.

Die Nachbereitung ist weniger aufwendig als bei anderen Untertests, aber trotzdem wichtig. Verwechselst du häufig rechts und links? Dann solltest du häufiger eine Probe machen. Vertauschst du oben und unten? Dann brauchst du bessere Anker.

Was mache ich, wenn es nicht funktioniert?

Am Anfang fühlt sich der Algorithmus langsam und umständlich an. Das ist normal. Wenn du nach ein bis zwei Wochen regelmäßigen Trainings nicht besser wirst, liegt es meistens an einem von zwei Punkten: Entweder findest du keine guten Anker, oder du machst bei 50/50-Entscheidungen zu viele Fehler. Dann übe gezielt diese Stelle des Algorithmus.